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"Leserlichkeit ist die Höflichkeit der Handschriften.” (Friedrich Dürrenmatt)

Ursprungsartikel (Sommer 2011):

Nach eingehender Diskussion hat die Gesamtkonferenz unter Einbeziehung der Elternvertretung im Frühjahr 2011 beschlossen im Schreiblehrgang auf die 60 Jahre alte und mit zahlreichen Problemen behaftete Lateinische Ausgangsschrift (LA) zu verzichten. Leitend waren pädagogische Überlegungen, didaktische Erkenntnise über den kindlichen Schrifterwerb, aber auch unsere schlechten Erfahrungen mit den Ergebnisse des bisherigen Schreiblehrgangs.

Unsere Kinder lernten zunächst ca. ein Jahr lang die Druckschrift, anschließend im 2. Schuljahr die LA, die dann etwa in der 4. Klasse durch erste Ansätze zu einer individuellen Handschrift "aufgeweicht" wurde. Sehr viele Kinder kehrten spätestens in der 5. Klasse komplett zur Druckschrift zurück, um von dort ausgehend eigene Buchstabenverbindungen zu entwickeln. Insgesamt waren wir und die Kinder mit dem Erlernen bzw. Erarbeiten dreier verschiedener Schriften beschäftigt, oft ohne dass in vielen Fällen am Ende eine wirklich schöne Handschrift entstanden wäre.

Wir wollen nun mit der vom Grundschulverband entwickelten "Grundschrift" einen unmittelbaren und effektiveren Weg beschreiten. Ausgehend von klar gegliederten und für alle verbindlichen Druckbuchstaben, die bereits "Anschlussmöglichkeiten" für andere Buchstaben beinhalten, erlernen die Kinder im 2. und 3. Schuljahr Möglichkeiten diese Buchstabenverbindungen zu erarbeiten. Am Ende des Prozesses im 4. Schuljahr steht die vom Rahmenplan Deutsch seit 2005 als Ziel der Schreiberziehung geforderte "gut lesbare, persönliche Handschrift".

Wir sind insgesamt überzeugt, die Handschriften unserer Kinder mit Hilfe der Grundschrift verbessern zu können. Im Kontakt zu anderen Schulen im Umkreis, die ebenfalls auf die Grundschrift umgestellt haben, werden wir intensiv an der erfolgreichen Umsetzung arbeiten.

 Einige Klarstellungen in Kurzform:

  • Die Grundschrift ist keine neue Schrift, sondern baut auf den Druckbuchstaben auf, die seit vielen Jahren als Leseschrift in allen Schulen verankert und den Kindern bekannt ist.
  • Die Grundschrift ist eine (teilverbundene) Schreibschrift mit dem Ziel einer flüssigen, gut lesbaren Handschrift. Vom Verzicht auf eine Schreibschrift kann daher keine Rede sein.
  • Die Grundschrift führt zu einem effektiveren Erwerb der Handschrift, da sie den Umweg über eine mit vielen Kurven und Schwüngen versehene verbundene Schrift vermeidet und im Laufe der Grundschulzeit direkt zur persönlichen Schrift führt, die dann nicht mehr grundlegend verändert werden muss.
  • Die oft ungeprüft in den Raum gestellte Behauptung, dass das Schreibtempo der Kinder bei Verwendung der Schreibschrift höher ist als bei der Grundschrift, ist nach unseren Beobachtungen nicht korrekt. Im Gegenteil führt das viele Vor- und Zurückschwingen vor allem der Lateinischen Ausgangsschrift häufig zu einem Verlust an Tempo (und Lesbarkeit).

Kurz: Statt 3 Schritten lernen die Kinder nur noch eine - und die richtig!


1. Nachtrag (August 2013): Seit zwei Jahren arbeiten unsere Kinder nun mit der Grundschrift. Da wir 2011 mit den beiden Eingangsstufen begonnen haben, sind inzwischen alle Kinder in allen Stufen beteiligt. Bislang zeigt sich, dass auf jeden Fall die Lesbarkeit der kindlichen Texte deutlich zugenommen hat. Dies kommt nicht nur den korrigierenden LehrerInnen, sondern auch den Kindern, die ihre eigenen Texte oder Aufsätze nun selbst besser lesen und in der Folge überarbeiten können. Die Stufenteams und die Gesamtkonferenz werden sich weiterhin mit der Schreiberziehung befassen, insbesondere mit der Frage der Vermittlung von Buchstabenverbindungen, die das Schreibtempo verbessern helfen. 


2. Nachtrag (August 2015): Inzwischen liegen uns mehrere sehr positive Rückmeldungen von Eltern vor, deren Kinder inzwischen weiterführende Schulen besuchen. Es zeigt sich, dass die Kinder in der Tat weniger Probleme haben, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Von Lehrerinnen und Lehrern des Gymnasiums wurde uns berichtet, dass die Lesbarkeit der Handschriften unserer Kinder auch dort überwiegend positiv beurteilt wird.